Spuk in Rosenheim
Der Herbst hatte Rosenheim in ein Meer aus goldenen und roten Blättern getaucht. Die Stadt war ruhig, doch in den alten Gemäuern der Stadt schien ein geheimnisvolles Flüstern zu liegen. Kommissar Michael Mohr und seine Partnerin, die scharfsinnige Kommissarin Anna Kahn, standen vor dem alten Schloss, das am Stadtrand thronte. Es war bekannt für seine düstere Geschichte, und heute sollten sie sich mit einem merkwürdigen Vorfall befassen.
„Ich kann es kaum glauben, dass wir hier sind“, murmelte Anna, während sie die knarrende Tür des Schlosses öffnete. „Spukgeschichten und Geistererscheinungen – das klingt eher nach einem Halloween-Special als nach einem Mordfall.“
„Die Leute sind verängstigt“, antwortete Michael, während er die Taschenlampe einschaltete. „Es gab Berichte über seltsame Geräusche und Erscheinungen. Und jetzt ist ein Mann verschwunden, der zuletzt hier gesehen wurde.“
Drinnen war es dunkel und kühl, und die Schatten schienen lebendig zu werden. Die Wände waren mit alten Gemälden geschmückt, die die Gesichter längst verstorbener Adliger zeigten. Anna schauderte. „Ich hoffe, wir finden keine Geister“, flüsterte sie.
„Wenn es einen Geist gibt, dann wird er uns sicher nicht angreifen“, sagte Michael mit einem schiefen Lächeln. „Wir sind schließlich die Polizei.“
Sie durchsuchten die Räume des Schlosses, und bald fanden sie die Überreste eines Festes, das vor vielen Jahren stattgefunden hatte. Alte Tischdecken, zerbrochene Gläser und vergilbte Fotos erzählten Geschichten von vergangenen Zeiten. Doch die Atmosphäre war angespannt, und das Gefühl, beobachtet zu werden, ließ Anna nicht los.
„Hier ist etwas nicht in Ordnung“, murmelte sie, als sie ein Geräusch aus dem Nebenzimmer hörte. Michael nickte und folgte ihr vorsichtig. Als sie die Tür öffneten, fanden sie einen alten Mann, der nervös in einer Ecke saß.
„Wer sind Sie? Was machen Sie hier?“, fragte der Mann mit zitternder Stimme.
„Wir sind von der Polizei“, erklärte Michael. „Wir untersuchen das Verschwinden eines Mannes. Wissen Sie etwas darüber?“
Der alte Mann schüttelte den Kopf. „Ich habe ihn nicht gesehen. Aber die Geister… sie sind hier. Sie wollen nicht gestört werden.“
Anna sah Michael an. „Könnte es sein, dass der Vermisste etwas entdeckt hat, das er nicht hätte finden sollen?“
„Vielleicht“, antwortete Michael nachdenklich. „Aber wir sollten mehr Informationen sammeln, bevor wir zu Schlussfolgerungen kommen.“
Sie verließen den alten Mann und setzten ihre Erkundung fort. In einem der oberen Zimmer fanden sie ein Tagebuch, das auf dem Tisch lag. Es gehörte dem verschwundenen Mann, und die letzten Einträge waren voller Angst und Verwirrung. Er schrieb über seltsame Vorkommnisse, Schatten, die sich bewegten, und Stimmen, die ihn riefen.
„Das ist interessant“, sagte Anna und blätterte durch die Seiten. „Er hat anscheinend etwas entdeckt, das er nicht hätte finden sollen. Vielleicht gibt es hier Geheimnisse, die besser verborgen bleiben.“
„Wir müssen herausfinden, was er herausgefunden hat“, antwortete Michael. „Lass uns die anderen Räume durchsuchen.“
Als sie das Schloss weiter erkundeten, stießen sie auf einen versteckten Keller. Die Treppe war steil und dunkel, und das Gefühl der Beklemmung wurde stärker. „Bist du bereit?“, fragte Michael, während sie die Treppe hinunterstiegen.
Im Keller fanden sie alte Kisten und Möbel, die mit Staub bedeckt waren. Doch in einer der Kisten entdeckten sie etwas, das sie sofort alarmierte: alte Dokumente und Fotos von Ritualen, die in der Vergangenheit durchgeführt wurden.
„Das ist ein Hinweis“, sagte Anna. „Es scheint, als ob hier etwas Dunkles vor sich ging. Vielleicht hat der Vermisste etwas entdeckt, das mit diesen Ritualen zu tun hat.“
Plötzlich hörten sie ein lautes Geräusch hinter sich. Sie drehten sich erschrocken um und sahen, wie die Tür zum Keller knallte. „Wir sind nicht allein“, flüsterte Anna, während sie sich vorsichtig zur Tür bewegten.
„Bleib ruhig“, sagte Michael, während er die Tür öffnete. Doch als sie hinaustraten, war der Flur leer. „Es muss nur der Wind gewesen sein“, murmelte er, doch Anna war sich nicht sicher.
Sie beschlossen, zurück ins Revier zu gehen, um die gefundenen Dokumente zu analysieren. Dort angekommen, arbeiteten sie die Nacht durch. Die Dokumente enthüllten eine Geschichte von Macht, Gier und dunklen Ritualen, die im Schloss stattgefunden hatten. Der verschwundene Mann hatte anscheinend etwas entdeckt, das die Aufmerksamkeit der falschen Leute auf sich zog.
„Wir müssen die Stadt warnen“, sagte Anna. „Wenn hier wirklich dunkle Mächte am Werk sind, könnten noch mehr Menschen in Gefahr sein.“

„Ja, aber wir müssen auch herausfinden, wer hinter all dem steckt“, fügte Michael hinzu. „Lass uns die Verbindungen zu den anderen Geschäftsmännern in der Stadt überprüfen. Vielleicht gibt es jemanden, der von den Ritualen profitiert.“
Die beiden Kommissare begaben sich auf die Suche nach weiteren Hinweisen. Sie sprachen mit den Anwohnern und suchten nach weiteren Berichten über seltsame Vorkommnisse. Immer wieder hörten sie von Schatten, die in der Nacht umherstreiften, und von Stimmen, die geflüstert wurden.
Schließlich stießen sie auf einen alten Historiker, der viel über die Geschichte des Schlosses wusste. „Es gibt Legenden über einen Fluch, der auf diesem Ort lastet“, erklärte er. „Viele, die versucht haben, die Geheimnisse des Schlosses zu lüften, sind verschwunden oder schlimmeres passiert.“
„Das könnte erklären, warum der Vermisste in Gefahr war“, sagte Anna. „Er hat möglicherweise etwas aufgedeckt, das nicht ans Licht kommen sollte.“
Der Historiker gab ihnen weitere Informationen über die Rituale und die Menschen, die daran beteiligt waren. Es stellte sich heraus, dass einige der örtlichen Geschäftsleute in dunkle Geschäfte verwickelt waren, um Macht und Einfluss zu gewinnen.
„Wir müssen sie zur Rede stellen“, entschied Michael. „Es ist an der Zeit, dass wir die Wahrheit ans Licht bringen.“
Als sie zurück ins Schloss gingen, spürten sie die Spannung in der Luft. Der Wind heulte durch die Fenster, und die Schatten schienen sich zu bewegen. „Hast du das Gefühl, dass wir beobachtet werden?“, fragte Anna nervös.
„Ja, aber wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen“, antwortete Michael entschlossen. „Wir sind hier, um die Wahrheit zu finden.“
In der Mitte des Raumes fanden sie eine Art Altar, der mit Kerzen und alten Symbolen geschmückt war. Anna und Michael erkannten, dass sie am richtigen Ort waren. Plötzlich hörten sie ein Flüstern, das durch den Raum schwebte. „Geht weg… ihr dürft nicht hier sein“, hörten sie eine Stimme sagen.
„Wer bist du?“, rief Michael in die Dunkelheit. „Was willst du von uns?“
„Die Geheimnisse dieses Ortes sind nicht für euch bestimmt“, flüsterte die Stimme erneut, und die Kerzen flackerten.
Anna und Michael schauten sich an. „Wir müssen hier raus“, sagte Anna, aber bevor sie sich bewegen konnten, erschien ein Schatten vor ihnen. Es war eine Gestalt, die sie anstarrte, und die Angst schnürte ihnen die Kehle zu.
„Ihr dürft nicht stören“, sagte die Gestalt mit einer tiefen, hallenden Stimme. „Eure Neugier wird euch das Leben kosten.“
„Wir sind hier, um zu helfen“, rief Michael. „Wir wollen die Wahrheit wissen!“
„Die Wahrheit ist gefährlich“, warnte die Gestalt. „Geht, solange ihr noch könnt!“
In diesem Moment spürten sie, wie die Luft um sie herum kälter wurde. Die Gestalt schien zu schwanken und verschwand dann in einem Nebel. Anna und Michael wussten, dass sie schnell handeln mussten.
„Wir müssen die Polizei informieren und die Stadt evakuieren“, sagte Anna hastig. „Wenn hier wirklich ein Fluch wirkt, sind wir nicht die Einzigen in Gefahr.“
Sie rannten aus dem Schloss und fuhren zurück ins Revier. Dort informierten sie ihre Kollegen über die Ereignisse und die möglichen Gefahren. Die Aufregung war groß, als sie die Stadt über die Geschehnisse informierten und eine Evakuierung in Betracht zogen.
Die Nacht brach herein, und während die Stadt sich auf die mögliche Gefahr vorbereitete, wusste Anna, dass sie nicht aufgeben konnten. Sie mussten herausfinden, was mit dem verschwundenen Mann geschehen war und die dunklen Geheimnisse des Schlosses endgültig aufdecken.
„Wir müssen zurück ins Schloss“, sagte Michael entschlossen. „Es gibt noch so viel, was wir herausfinden müssen.“
Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zurück, bereit, sich dem Unbekannten zu stellen und die Wahrheit zu enthüllen, die in den Schatten des alten Schlosses verborgen lag.