“Geld wurde jedes Jahr weniger”: “Rosenheim-Cops”-Star Marisa Burger kritisiert ZDF

DER TOTENBLICK DES ZDF: MARISA BURGER PACKT AUS – GELD WURDE JEDES JAHR WENIGER, DIE WERTSCHÄTZUNG AUCH

Es ist der größte Schock nach dem abrupten Abgang der Kult-Sekretärin Miriam Stockl: Marisa Burger, das Herzstück der „Rosenheim-Cops“ und die Stimme des unverwechselbaren „Es gabat a Leich!“, rechnet nun knallhart mit ihrem langjährigen Arbeitgeber, dem ZDF, ab. Es geht nicht nur um den Wunsch nach künstlerischer Freiheit, der sie nach 25 Jahren in die Kündigung trieb – es geht um eine beunruhigende Abwärtsspirale aus Sparzwang, sinkenden Gagen und einer eklatanten Verrohung des Umgangs mit langjährigen Schauspielgrößen. Der wahre Kriminalfall spielt sich nicht vor der Kamera ab, sondern in den kühlen Büros des Senders, wo die Quoten zwar stabil waren, die menschliche Wertschätzung aber auf ein Nullniveau sank.

Rosenheim-Cops"-Star Marisa Burger: "Geld wurde jedes Jahr weniger"

Die bittere Enthüllung der 52-Jährigen gleicht einem Dolchstoß in die scheinbar heile Welt der Vorabendserie: „Geld wurde jedes Jahr immer weniger.“ Ein Satz, der die finanzielle Realität einer Branche entlarvt, in der trotz unerschütterlicher Zuschauergunst und Millionen-Einschaltquoten an den Gehältern der Darsteller gespart wird. Burger spricht von einer de facto Gagenkürzung, da weder Inflation noch gestiegene Lebenshaltungskosten in den Honoraren Berücksichtigung fanden. Für eine Serie, die das ZDF seit über zwei Jahrzehnten mit zuverlässigen Top-Quoten versorgt, ist diese Sparwut nicht nur kurzsichtig, sondern – so die unterschwellige Anklage – ein Affront gegen die Leistungsträger.

Die Kritik geht jedoch weit über den reinen Taler hinaus und trifft den Sender in seinem kreativen Nervenzentrum. Burger prangert die sich rasant verschlechternden Arbeitsbedingungen an: Die Drehtage pro Episode wurden von einst zwölf auf nur noch 6,3 fast halbiert. Diese Effizienz-Diktatur hat eine direkte und zerstörerische Auswirkung auf die Qualität der Arbeit. „Früher hatten wir die Zeit, unsere Figuren gemeinsam zu entwickeln. Heute wirst du da reingeschmissen und musst einfach nur funktionieren“, klagt die Schauspielerin. Die Möglichkeit zur künstlerischen Entfaltung, zur Vertiefung der Rolle – all das fiel der Sparwut zum Opfer. Die Kunst, die die Serie so erfolgreich machte, musste der reinen, mechanischen Produktion weichen.

Die Wunde sitzt besonders tief, als Burger die fehlende Menschlichkeit nach ihrem schweren Abschied thematisiert: „Das ZDF hat sich bis jetzt noch nicht zu meinem Abschied geäußert. Das ist auch ein Statement unserer Branche, was Wertschätzung betrifft.“ Eine Schauspielerin, die ein Vierteljahrhundert lang das Gesicht eines der erfolgreichsten Formate des Senders war, wird nach ihrem emotionalen Abgang mit Schweigen quittiert. Es ist die kalte, anonyme Reaktion eines Systems, das Menschen nur so lange schätzt, wie sie bedingungslos „funktionieren“. Ein Gefühl der Enttäuschung, das die Wehmut des Abschieds noch übertrifft.

Burger beleuchtet nicht nur ihr eigenes Dilemma, sondern spricht stellvertretend für eine ganze Garde von Schauspielern, insbesondere für die Newcomer, deren Gagen „mit einer Höchstgrenze gedeckelt sind“ und die durch die wenigen Drehtage kaum von ihrem Beruf leben können. Sie verweist darauf, dass „Schauspielerei ist ja kein Hobby“, sondern ein Beruf, der ordentlich bezahlt werden muss. Die Erfahrung der „Rosenheim-Cops“ wird somit zum Lehrstück über die Paradoxien der Fernsehbranche: Großer Erfolg auf Kosten der Mitarbeiter, die immer weniger Zeit, weniger Geld und weniger Freiraum für ihre Kunst bekommen.

Die Tragödie hinter der scharfen Kritik ist, dass Burgers Entscheidung zum Abschied nicht nur ein „Traum“ war, sondern auch eine Flucht. Eine Flucht vor der „sehr einengenden“ Nische der Miriam Stockl, die sie nicht als Schauspielerin, sondern als Kunstfigur auf Dauer festschrieb, und eine Flucht vor einem Arbeitsumfeld, das ihre langjährige Loyalität und ihren unbestreitbaren Beitrag zum Serienerfolg mit finanzieller Stagnation und fehlender Wertschätzung beantwortete. Das endgültige Urteil über den Umgang des ZDF mit seinen Stars ist vernichtend und wirft einen dunklen Schatten auf die goldene Ära der „Rosenheim-Cops“. Das Ende von Stockl ist nur der Prolog zu einer viel größeren und dringlicheren Debatte über die Arbeitsbedingungen im deutschen Fernsehen.