Fast abgesetzt! So knapp standen „Die Rosenheim-Cops“ vor dem Aus

Fast abgesetzt! So knapp standen „Die Rosenheim-Cops“ vor dem Aus

Die “Rosenheim-Cops” sind ein Phänomen, ein Fixpunkt im deutschen Fernsehalltag, der regelmäßig für Top-Quoten im ZDF-Vorabendprogramm sorgt. Doch hinter der Idylle Oberbayerns und den stets gelösten Mordfällen verbirgt sich eine Geschichte, die selbst einem Krimi würdig wäre: die beinahe besiegelte Absetzung der Serie. Das vermeintlich unerschütterliche Format stand tatsächlich kurz vor dem Aus, und die Gründe dafür waren so profan wie die bayerischen Schauplätze – es ging um Geld, Sendezeiten und die anfängliche Skepsis der Programmverantwortlichen.

Die Serie startete im Jahr 2002 und wurde zunächst nur als kurzlebige Experimentalserie mit einer überschaubaren Anzahl von Episoden beauftragt. Damals war das ZDF-Vorabendprogramm ein Problemfall; die Sender kämpften darum, jüngere Zuschauer zu gewinnen und die alten Formate wirkten verstaubt. “Die Rosenheim-Cops” sollten nicht mehr sein als eine Lückenbüßerin, ein Testlauf, um zu sehen, ob ein leichtfüßiger Regionalkrimi mit einem starken Schuss Komödie funktionieren würde. Die anfänglichen Quoten waren solide, aber keineswegs herausragend, was die internen Kritiker schnell auf den Plan rief.

Fast abgesetzt! So knapp standen „Die Rosenheim-Cops“ vor dem Aus

Intern gab es große Bedenken, ob das Format mit seinem charakteristischen Mix aus bayerischem Lokalkolorit, skurrilen Figuren wie der Miriam Stockl und den betont unblutigen Kriminalfällen wirklich das Zeug zum Dauerbrenner hatte. Im Gegensatz zu den düsteren, ernsten Krimis, die oft im Hauptprogramm liefen, wirkten die “Cops” zu harmlos, zu komödiantisch, fast schon albern. Programmchefs waren unsicher, ob die Zuschauer eine solche Mischung auf Dauer annehmen würden. Es gab ernsthafte Diskussionen, die Serie nach der ersten oder spätestens nach der zweiten Staffel sang- und klanglos einzustellen, falls die Quoten nicht einen klaren Aufwärtstrend zeigten.

Der entscheidende Faktor, der die Absetzung verhinderte, war die ungewöhnliche Geduld des ZDF und der loyale Kern an Zuschauern, der sich schnell bildete. Im Gegensatz zu heutigen Maßstäben, wo Serien oft nach wenigen Folgen abgesetzt werden, gab man den “Rosenheim-Cops” Zeit zum Wachsen. Die Serie entwickelte ihre eigenen Gesetze, ihren eigenen Rhythmus und ihre liebenswerten Macken – die berühmte Frage “Es gabat a Leich!” (Es gäbe eine Leiche!) wurde zum Kult. Die Zuschauer honorierten diese Verlässlichkeit und den Charme der Figuren, der sich erst über die Staffeln voll entfalten konnte.

Ein weiterer kritischer Punkt war der Wechsel in der Sendeplatzstrategie. Die “Rosenheim-Cops” etablierten sich als perfektes Format, um die Zuschauer von der “Drehscheibe” (damals noch “Hallo Deutschland”) zum Hauptprogramm um 19:25 Uhr zu leiten. Sie boten leichte Unterhaltung, die das Publikum nicht überforderte, aber dennoch fesselte. Das Erkennen dieser strategischen Nische war ein Wendepunkt. Plötzlich waren die “Cops” nicht mehr nur eine Serie, sondern ein wichtiger Pfeiler im Programmfluss des Senders.

Hinter den Kulissen spielte auch die Produktionsfirma eine wichtige Rolle. Sie kämpfte leidenschaftlich für das Format, argumentierte mit den niedrigen Produktionskosten im Vergleich zu aufwendigeren Drama-Serien und dem stabilen, wenn auch zunächst langsam wachsenden, Marktanteil. Die Beharrlichkeit zahlte sich aus. Die Quoten stiegen stetig an, und mit dem Aufstieg des Duos Hansen und Stadler sowie der Kultfigur Stockl entwickelte sich die Serie zu dem Quotengaranten, den wir heute kennen.

Die Geschichte der beinahe erfolgten Absetzung zeigt, dass selbst die größten Erfolge auf tönernen Füßen stehen können. Hätte das ZDF in den frühen Jahren weniger Geduld bewiesen und nur auf die anfänglichen, zögerlichen Quoten geschaut, wäre das Format heute eine Fußnote der Fernsehgeschichte. Stattdessen sind die “Rosenheim-Cops” das leuchtende Beispiel dafür, wie ein unterschätztes Format durch Ausdauer und die Liebe des Publikums zu einem der erfolgreichsten und langlebigsten Formate im deutschen Fernsehen wurde. Das “Abrechnung des Jahres” fiel damals fast negativ aus, doch das Schicksal hatte andere Pläne für die bayerischen Ermittler.