„Rote Rosen“-Vorschau heute: Jess ist mit den Nerven am Ende (6.11.25)

Ein kaltes, unbarmherziges Licht flutete Jess’ kleine Küche, scharf kontrastierend zu dem Chaos aus Notizzetteln, auf denen in fieberhafter Handschrift Ideen für ihren Buchladen skizziert waren. Doch diese Träume, die ihr Leben hätten neu ordnen sollen, waren jetzt nur noch ein weiterer Stein, der sie nach unten zog. Sie stützte sich mit zittrigen Händen auf die Arbeitsplatte, ihr Atem ging stoßweise, als würde ihr Körper einen unsichtbaren, erstickenden Schleier abstreifen wollen.
Rote Rosen“-Vorschau heute: Jess ist mit den Nerven am Ende (6.11.25)
Das Ausmaß der Katastrophe, die sich durch Patricks heimliche Flucht und den nun drohenden Verlust des Pachtvertrages am Salzmarkt aufgetürmt hatte, war ihr erst in der Nacht in vollem Umfang bewusst geworden. Es war nicht nur der finanzielle Ruin, es war die Demütigung, die ihr das Mark in den Knochen lähmte. Sie hatte sich so sicher gefühlt, so auf dem richtigen Weg – und nun stand sie vor einem Scherbenhaufen, den sie allein zusammenkehren musste. Ihre Tante Gisela hatte ihr zwar Obdach gewährt, aber Victoria, die Vermieterin, zeigte sich eisig unnachgiebig. Ein kleiner, triumphierender Zug um Victorias Mundwinkel bei ihrer letzten Begegnung hatte sich in Jess’ Gedächtnis eingebrannt, ein Hinweis darauf, dass hier mehr als nur nüchterne Geschäftspraktiken im Spiel waren. Jess schloss die Augen, versuchte, die Panik wegzuschieben, die ihr bei dem Gedanken an die EmKa und die erschreckenden Berichte von Elyas in den Gliedern zuckte. Der Chef, der ihr noch immer im Nacken saß und nun möglicherweise ihre versehentlich verschickte Kündigungs-E-Mail in den Händen hielt. Sie hatte sie in einem Anflug von Wut und Verzweiflung geschrieben, in einer dramatischen Geste der Befreiung, nur um sie dann im letzten Moment zurückzuhalten – glaubte sie.

Die Ungewissheit nagte wie Säure an ihr. War es nur Liebeskummer, Jobfrust, oder war es die erschreckende Einsicht in die eigene Naivität, die ihr die Luft nahm? Ihre Finger umklammerten ein leeres Kaffeeglas so fest, dass die Knöchel weiß hervortraten. In diesem Moment der extremen mentalen und emotionalen Erschöpfung – dem berühmten „fertig mit den Nerven“ – spürte sie, wie die Wut die Lähmung zu verdrängen begann. Eine glühende Entschlossenheit zuckte auf. Sie konnte jetzt nicht aufgeben. Sie würde sich wehren, gegen Patrick, gegen Victoria, gegen das Schicksal selbst. Doch diese Entschlossenheit war so brüchig wie das dünne Glas in ihrer Hand, und die Angst lauerte direkt darunter, bereit, bei der kleinsten Erschütterung hervorzukriechen. Die Stille im Raum schien nur die Lautstärke ihres eigenen, hämmernden Herzschlags zu verstärken. Eine tickende Uhr, die den Countdown für ihren totalen Zusammenbruch einzuleiten schien.